Stressfraktur
Was ist eine Stressfraktur?
Eine Stressfraktur ist ein Knochenbruch, der durch wiederholte Überlastung entsteht. Sie entsteht nicht plötzlich,
sondern entwickelt sich nach und nach. Wenn ein Knochen über längere Zeit immer wieder belastet wird und dabei
nicht ausreichend Erholung bekommt, wird altes Knochengewebe abgebaut, bevor neues Knochengewebe stabil
genug nachgewachsen ist. In dieser Phase ist der Knochen anfälliger, und es können kleine Risse (Mikrofrakturen)
entstehen. Werden diese Belastungen fortgesetzt, kann daraus eine Stressfraktur entstehen, ohne dass
ein traumatisches Ereignis (z.B. ein Sturz) vorliegt (1).
Stressfrakturen lassen sich in zwei Formen unterteilen:
- Ermüdungsfrakturen entstehen bei gesunden Knochen, die durch wiederholte Belastung überfordert werden (Bspsw. beim Sport)
- Insuffizienzfrakturen betreffen Knochen, die bereits geschwächt sind, etwa durch Osteoporose oder andere Erkrankungen (2)
In diesem Artikel geht es vor allem um Ermüdungsfrakturen, wie sie bei sportlich aktiven Menschen vorkommen.
Wer ist betroffen?
Ermüdungsfrakturen treten vor allem bei jungen, sportlich aktiven Menschen auf, die ihren Körper stark belasten.
Frauen sind dabei häufiger betroffen als Männer. Etwa jede fünfte Sportverletzungen ist eine Stressfraktur.
In den meisten Fällen betreffen sie die untere Extremität (4).
Warum entstehen Stressfrakturen?
Stressfrakturen haben oft mehrere Ursachen. Sie entstehen also nicht allein durch zu viel oder zu intensives Training,
sondern durch ein Zusammenspiel verschiedener Einflussfaktoren. Weitere Risikofaktoren, die eine Stressreaktion
im Knochen begünstigen können sind:
- Niedriger BMI und niedrige Vitamin D-Werte (5)
- Schwächung des Knochens durch einen Energiemangel im Körper, wie es beim sogenannten REDs-Syndrom („Relative Energy Deficiency in Sport“) der Fall ist (siehe Artikel REDs) (6)
- Anatomische und biomechanische Eigenschaften (z.B Fussdeformitäten)(7)
- Schlafstörungen
- Medikamente (Kortikosteroide, NSAR)
- Genetik (8)
Diagnose
Die Diagnose von Stressfrakturen erfordert eine sorgfältige Anamnese und klinische Untersuchung durch ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
Der Goldstandard in der Diagnostik ist die Bildgebung durch ein MRI (3). Anhand des MRI-Befundes werden vier Schweregrade
unterschieden, wobei Grad 1-3 als Stressreaktion und Grad 4 als Stressfraktur bezeichnet werden.
Weiter wird je nach Lokalisation unterteilt in Stressfrakturen mit geringem oder hohem Risiko (8). Dies ist relevant für den Ablauf der Therapie
Was machen wir in der Physiotherapie?
Die Behandlung richtet sich immer individuell nach der Art und dem Ort der Verletzung sowie dem Schweregrad.
In einem ausführlichen Anamnesegespräch besprechen wir gemeinsam Lebensstil- und Risikofaktoren.
Auf dieser Grundlage erstellen wir ein persönliches Therapieprogramm, das die Heilung unterstützt,
Rückfällen vorbeugt und eine sichere Rückkehr zur Aktivität ermöglicht. Zu Beginn steht meist
eine Phase der Belastungsreduktion, damit der Knochen genügend Zeit zur Regeneration bekommt.
Diese Ruhezeit variiert je nach Schweregrad. Anschliessend folgt ein schrittweiser Belastungsaufbau,
bei dem wir mögliche Fehlbelastungen analysieren und korrigieren. Bei Bedarf arbeiten wir interdisziplinär mit
anderen Fachrichtungen (z. B. Ernährungsmedizin, KPNI, oder Psychologie) zusammen, um Faktoren wie Ernährung,
Schlaf und Stressmanagement zu optimieren und damit eine gesunde Knochenheilung zu fördern.
Erst wenn Sie schmerzfrei sind, erfolgt die strukturierte Rückkehr zum Sport und das Erreichen Ihrer individuellen Ziele.
Melden Sie sich bei Fragen gerne in unserer Praxis
Text: Tatiana Ryll
Quellen
(1) Vera, A. M., & Patel, K. A. (2021). Stress fractures of the foot and ankle. Operative Techniques in Sports Medicine, 29(3), 150852. https://doi.org/
10.1016/j.otsm.2021.150852
(2) Hackenbroch C, Weber M, Thierfelder K M. Stressfrakturen und andere stressinduzierte Verletzungen. Radiologie up2date 2021; 21(03): 247 - 267.
doi:10.1055/a-1382-7166
(3) Wright AA, Hegedus EJ, Lenchik L, Kuhn KJ, Santiago L, Smoliga JM. Diagnosticaccuracy of various imaging modalities for suspected lower
extremity stress fractures. Am J Sports Med. 2016;44:255–263.
(4) A. Abbott, M. L. Bird, E. Wild, S. M. Brown, G. Stewart, und M. K. Mulcahey, „Part I: epidemiology and risk factors for stress fractures in female
athletes“, Phys. Sportsmed., Bd. 48, Nr. 1, S. 17–24, Feb. 2020, doi: 10.1080/00913847.2019.1632158.
(5) Zalneraitis BH, Huuki E, Benavides LC, Benavides JM. Relation of Vitamin D Level, BMI, and Location of Lower Extremity Stress Fractures in Military
Trainees. Mil Med. 2023 Jul 22;188(7-8):e1970-e1974. doi: 10.1093/milmed/usac258. PMID: 36004444.
(6) Haskell, A., & Coughlin, M. J. (2023). Coughlin and Mann’s surgery of the foot and ankle (10th ed., 2 vols.). Elsevier.
(7)Beck BR, Rudolph K, Matheson GO, Bergman AG, Norling TL. Risk factors for tibial stress injuries: a case-control study. Clin J Sport Med. 2015
May;25(3):230-6. doi: 10.1097/JSM.0000000000000126. PMID: 24977954.
(8) Hoenig T, Ackerman KE, Beck BR, Bouxsein ML, Burr DB, Hollander K, Popp KL, Rolvien T, Tenforde AS, Warden SJ. Bone stress injuries. Nat Rev Dis
Primers. 2022 Apr 28;8(1):26. doi: 10.1038/s41572-022-00352-y. PMID: 35484131.
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